Einzigartige Eisbahn inmitten von Industriearchitektur.

Schlittschuhfans flitzen über die 150 Meter lange Eisfläche entlang der Koksöfen, Discokugeln spiegeln sich glitzernd auf der glatten Oberfläche und ein Eisstock schießt seinem Ziel entgegen: Auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein beginnt die neue Eisbahnsaison. Für viereinhalb Wochen – von Samstag, 5. Dezember 2026, bis Mittwoch, 6. Januar 2027 – entsteht ein Winterparadies rund um das Druckmaschinengleis auf der Kokerei Zollverein. Von den über 1.000 Grad Celsius, die hier zu Betriebszeiten herrschten, um Kohle zu Koks zu backen, ist während der Eisbahn nichts mehr zu spüren. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt können alle ihre Runden auf dem Eis drehen. Gäste, die bereits Erfahrung mitbringen, sind genauso willkommen wie Schlittschuhfans, die noch am Anfang der Eislaufkarriere stehen oder im Rollstuhl über das Eis gleiten möchten. Für Kinder stehen Hilfspinguine bereit, die bei den ersten Versuchen auf der glatten Oberfläche unterstützen. Die Eisfläche darf mit Rollstühlen, Reha-Buggys und Gleithilfen genutzt werden. In unmittelbarer Nähe können Gäste an gemütlichen Ständen im kleinen Winterdorf mit einem Kakao oder einem Snack eine Pause einlegen.

Bunte Lichter und eine Frage der Präzision

Eine Lichtinstallation in den Abendstunden hüllt die beeindruckende Industriearchitektur zwischen den rund 90 Meter hohen Schornsteinen und der Koksofenbatterie in eine stimmungsvolle Farbenpracht. Pünktlich zur Eisdisco funkeln zusätzlich Discokugeln im Nachthimmel und glitzern mit dem Eis um die Wette. Zu DJ-Sounds mit Discoklassikern können die Gäste an zwei Samstagen, 12. Dezember 2026 und 2. Januar 2027, bis Mitternacht ihre Runden unter dem Sternenzelt drehen. Keine Schlittschuhe, dafür aber ein geschicktes Händchen und Teamgeist sind beim Eisstockschießen gefragt. Für den beliebten Wintersport steht in direkter Nähe zur Eisbahn eine eigene Fläche zur Verfügung. Familien, private Gruppen oder Kolleginnen und Kollegen treten im unterhaltsamen Wettstreit gegeneinander an: Wer den Eisstock am nächsten zur sogenannten „Daube“, einer Art großen Puck, bringt, holt den Sieg nach Hause.

Mehr als schwarz/weiß

Zu Betriebszeiten war es undenkbar, dass auf der Kokerei Zollverein Menschen in ihrer Freizeit mit Blick auf die Koksöfen über eine Eisfläche gleiten. Zwischen den Jahren 1961 und 1993 wurde auf der „schwarzen Seite“ Kohle zu Koks gebacken – und die dabei entstandenen Gase auf der „weißen Seite“ weiter verwertet. Täglich haben 304 Öfen rund 11.000 Tonnen Kohle bei unvorstellbarer Hitze zu 8.600 Tonnen Koks veredelt. Während einer Führung erwacht die imposante Anlage mittels moderner 3D-Animationen und riesiger Projektionen zum Leben. Guides vermitteln anschaulich die komplexen Produktions- und Funktionsabläufe der einst größten Zentralkokerei Europas; unter ihnen sind ehemalige Koker, die ihre persönlichen Eindrücke und Erlebnisse in die Führungen einfließen lassen.

Verborgene Bereiche werden zu Erlebnisorten

Mit der Eröffnung der beiden finalen Stationen „Umweltschutz“ und „Beheizen“ im September 2026 ist der Ausbau des Denkmalpfads Kokerei abgeschlossen. Wie wurden die Öfen auf der Kokerei durch Flammen und die Abhitze der Rauchgase beheizt? Genau das veranschaulicht eine Lichtinszenierung in der neuen Station „Beheizen“; grafische Elemente unterstützen die Darstellung des Prozesses. Besonders spektakulär: Interessierte bewegen sich in etwa sieben Metern Höhe im Inneren der Koksöfen von Batterie 9. Nach dem Rückbau des Sonnenrads führt jetzt ein 30 Meter langer Laufsteg quer durch die aufgeschnittenen Öfen. Die zweite neue Station „Umweltschutz“ richtet den Blick auf ein anderes Kapitel der Kokerei-Geschichte. Die Anlage nahm 1961 ihren Betrieb auf – in einer Zeit, in der zugleich das öffentliche Bewusstsein für die enorme Luftverschmutzung im Ruhrgebiet wuchs. Historische Filmaufnahmen, Zitate und Informationen zu typischen Emissionen veranschaulichen den Konflikt zwischen industrieller Produktion, Nachbarschaft und zunehmenden Anforderungen an den Umweltschutz. Eine Riechstation vermittelt auf schadstofffreier Basis sogar einen charakteristischen Geruch der Kokerei. Die Station zeigt zugleich, wie technische Entwicklungen den Emissionsausstoß im Laufe der Jahrzehnte deutlich verringerten und welche Lösungen auf der Kokerei Zollverein zum Einsatz kamen. Mit „Umweltschutz“ und „Beheizen“ schließt sich der Kreis eines Projekts, das 2020 mit der Eröffnung der Station „Löschen“ begann. Es folgten unter anderem „Arbeit und Leben“, „Drücken“, „Verkokung“ und „Nebenprodukte“. Im Jahr 2025 wurden die Stationen „Abkühlen“, „Übergabe“ sowie „Fuchs und Schornstein“ eröffnet. Seit September 2026 erschließen nun insgesamt zehn Vermittlungsstationen die komplexen Abläufe der Kokerei – vom Weg der Kohle über Verkokung, Beheizung und Kühlung bis zu Nebenprodukten, Arbeitswelt und Umweltschutz.

Weitere Informationen: www.zollverein.de/eisbahn