Vor fast 10 Jahren nahm die UNESCO das architektonische Werk von Le Corbusier in die Welterbeliste auf. Seit dem 17. Juli 2016 würdigt die UNESCO damit 17 repräsentative Bauwerke und Gebäudeensembles des schweizerisch-französischen Architekten in sieben Ländern auf drei Kontinenten als „außergewöhnlichen Beitrag zur Moderne“. Die Stätten der ersten transnationalen Serie liegen in Frankreich, der Schweiz, Belgien, Deutschland, Argentinien, Indien und Japan.
Le Corbusier (1887–1965) zählt zu den einflussreichsten Erneuerern der Architektur des 20. Jahrhunderts. Mit seinen Bauten, visionären Stadtentwürfen und programmatischen Schriften prägte er international Generationen von Architekt*innen – bis heute! Zu den Welterbestätten gehören unter anderem die Villa Savoye bei Paris, die als Ikone der Moderne gilt, die Unité d’habitation in Marseille als wegweisendes Modell für verdichteten Wohnungsbau sowie die Chapelle Notre-Dame-du-Haut in Ronchamp, die mit ihrer visionären Formensprache neue Maßstäbe im Sakralbau setzte. Auch das Einfamilien- und Doppelhaus, die er 1927 im Rahmen der Werkbundausstellung „Die Wohnung“ für die Weissenhofsiedlung entwarf, sind Teil des Welterbes.
Die Stuttgarter Weissenhofsiedlung
1927 gelang es dem Deutschen Werkbund, gemeinsam mit der Stadt Stuttgart, ein Manifest der Moderne zu verwirklichen: 17 internationale Architekten unter der künstlerischen Leitung von Ludwig Mies van der Rohe präsentierten 21 innovative und zukunftsgerichtete Entwürfe für modernes, gesundheitsbewusstes und funktionales Wohnen. Unter den Beteiligten waren neben Le Corbusier und Mies van der Rohe weitere Architekten von Rang wie Walter Gropius und Hans Scharoun. Innerhalb von nur vier Monaten strömten 500.000 Besucher*innen in die Ausstellung, die weltweit Resonanz fand. Ein Gang durch die Weissenhofsiedlung zeigt noch heute die Ideenvielfalt der 1927 gebauten Häuser und erklärt ihren hohen Stellenwert in der Architekturgeschichte.
Weissenhofmuseum im Haus Le Corbusier
Im Doppelhaus von Le Corbusier und seinem Cousin Pierre Jeanneret befindet sich seit 2006 das Weissenhofmuseum im Haus Le Corbusier. Es steht den Besucher*innen als einzig zugängliches Haus der Weissenhofsiedlung offen. In der linken Haushälfte wird die Geschichte der Weissenhofsiedlung vorgestellt, in der rechten Doppelhaushälfte ist Le Corbusiers Entwurf eines „transformablen Wohnraums“ im rekonstruierten Zustand von 1927 zu erleben. Betrieben wird das Museum vom Verein „Freunde der Weissenhofsiedlung“. Seit 1977 engagiert sich der Verein für die Renovierung und Instandhaltung der Weissenhofsiedlung, zeigt Ausstellungen in der Weissenhofwerkstatt im Haus Mies van der Rohe und vermittelt die Geschichte der Siedlung sowie die Ideen des Neuen Bauens.
Veranstaltungen 2026
Die Weissenhofsiedlung wird in den nächsten Monaten zum lebendigen Treffpunkt für Architekturinteressierte. Das Weissenhofmuseum lädt zu einem abwechslungsreichen Veranstaltungsprogramm ein:
Am 28. April findet im Rahmen der 22. Französischen Wochen 2026 ein Vortrag statt. Dr. Paola Scaramuzza (ÉNSA Versailles, A-BIME) stellt in ihrer Präsentation „Le Corbusier – Die Wohnsiedlung Cité Frugès 1924-1926″ die experimentelle Wohnsiedlung vor, insbesondere deren Farbigkeit und spätere Geschichte. Damit feiern wir das 10-jährige Jubiläum der UNESCO-Einschreibung als Beispiel für die erfolgreiche enge deutsch-französische Zusammenarbeit.
Am Internationalen Museumstag (17. Mai) und UNESCO-Welterbetag (7. Juni) öffnet das Museum bei freiem Eintritt. Kostenfreie Führungen durch die Weissenhofsiedlung erklären die Hintergründe der Siedlung mit Schwerpunkt auf den beiden Häusern Le Corbusiers.
Beim „Sommerfest am Killesberg – Kultur auf der Höhe“ (19. Juli) feiert das Weissenhofmuseum im Haus Le Corbusier mit zahlreichen Institutionen in der Nachbarschaft ein gemeinsames Kulturfest mit Programm für Groß und Klein.
Weissenhof.100
2026 steht zudem ganz im Zeichen der Vorbereitung auf das große Jubiläum 2027 – 100 Jahre Weissenhofsiedlung! Save the date: Vom 24. bis 25. Juli 2027 findet in der Siedlung ein Fest statt. Bereits im Frühjahr 2027 wird das neue Besuchs- und Informationszentrum „Weissenhof.Forum“ eröffnet, das aktuell am Eingang der Weissenhofsiedlung in Stuttgart von der Landeshauptstadt Stuttgart gebaut wird. Es ist eines der zentralen Projekte der Internationalen Bauausstellung 2027 StadtRegion Stuttgart (IBA’27), die 2027 – angelehnt an das Jubiläum der Weissenhofsiedlung – von April bis Oktober in Stuttgart stattfindet. Das Weissenhof.Forum wird künftig der Start- und Orientierungspunkt für alle Weissenhof-Besucher*innen sein.
Weitere Informationen:
https://weissenhofmuseum.de/
https://freunde-weissenhof.de/