Dauerausstellung im St. Annen-Museum: Leben im historischen Lübeck

Wer die Altstadt Lübecks durchwandert mit ihrem romanischen Straßennetz, den rund 4.500 Grundstücksparzellen, den Giebel- und Traufenhäusern, den Gängen und den mittelalterlichen Kirchen, Klöstern, Stiften, dem Rathaus und dem Holstentor, erfährt viel über das äußerlich Sichtbare dieses Kulturerbes. Aber er wird so gut wie nichts vom Leben hinter den Mauern sehen.

Wie wohnten und lebten die Bürger:innnen, Kaufleute und Handwerker hinter den Fassaden ihrer Backsteinhäuser? Davon kann man sich heute nur noch im St. Annen-Museum ein Bild machen: Das Obergeschoss des 500 Jahre alten St. Annen-Klosters bietet seinen Besucher:innen eine Folge von Ausstellungsräumen, die exemplarisch erfahrbar machen, mit welchem Mobiliar sich die Bürger:innen umgaben, wie sie ihre Wohnräume dekorierten und ihre Tische deckten, wie sie sich kleideten, wie sie feierten und an welchen Werten und Normen des Zusammenlebens im Alltag sie sich orientierten.
Die Raumfolge wurde bei der Gründung des Museums vor fast 100 Jahren eigens zur Vermittlung der Wohn- und Alltagskultur nach Raummaßen errichtet. Sie folgt im Wesentlichen einem bestimmten Bautyp, dem „großen Giebelhaus mit Seitenflügel“. Dieser Haustyp mit Diele, Dornse (beheizbarer Raum), Küche, Saal und Kammer, der sich in Lübeck um 1300 als Standardbau durchgesetzt hatte, wurde von Kaufleuten und Handwerkern genutzt, die viel Platz benötigten. Dazu gehörten Brauer, Schmiede, Gerber, Färber und Tuchmacher. Das Dielenhaus diente aber ebenso Mitgliedern der Führungsgruppe, die außerhalb der Stadt Herrenhäuser besaßen, als repräsentative Stadtwohnung. Mehr als die Hälfte der Museumsräume wurde damals mit originalen Raumeinbauten, Decken und Wandverkleidungen ausgestattet, die bei der Modernisierung vieler Altstadthäuser um 1900 vor der Vernichtung bewahrt werden konnten.
Die Dauerausstellung der kulturhistorischen Sammlung des St. Annen-Museums betont die Bedeutung Lübecks als Musikstadt von Tundern bis zur Festivalstadt und bietet einen eigenen Bereich für Kinder und deren Lebenswelten im Lübeck des 19. Jahrhunderts.

https://st-annen-museum.de/das-innere-des-luebecker-weltkulturerbes

Luxus, Lotterleben, Livestyle – Tee verändert Nordeuropa

Sonderausstellung im St. Annen-Museum vom 02.10.2022 bis 29.01.2023

Tee ist inzwischen das nach Wasser beliebteste Getränk der Welt und kaum noch aus dem Alltag wegzudenken: Bunte Bubble-Tea-Läden erobern die Innenstädte, Chai- und Matcha-Tea-Latte laufen dem Latte Macchiato den Rang ab. Doch bis hierhin war es ein weiter Weg: Die Blätter der aus China stammende Teepflanze verbreiteten sich erst seit dem 17. Jahrhundert allmählich in Europa. Wie Seide und Porzellan musste auch Tee mit großem Aufwand und hohen Risiken von China um die halbe Welt transportiert werden. Das exotische Getränk verbreitete sich in Europa zunächst in höfischen Kreisen, wo es eine sagenhafte China-Mode auslöste. Wie das Porzellan wurde auch der Tee dann im 18. Jahrhundert in größeren Mengen und zu günstigeren Preisen verfügbar. Tee beflügelte den geistigen Austausch und wurde als Getränk der Vernunft bei den Aufklärern beliebt. Besonders Frauen erfreuten sich am Austausch bei Teerunden, die ihnen vollkommen neue Freiräume eröffneten. Der Siegeszug des Tees in Nordeuropa war nicht mehr zu stoppen.