Mit der Aufnahme der SchUM-Stätten Speyer, Worms und Mainz in die UNESCO-Welterbeliste im Jahr 2021 wurde ein außergewöhnliches Kapitel deutscher und europäischer Geschichte offiziell anerkannt: 1.000 Jahre jüdisches Erbe am Rhein, geprägt von Gelehrsamkeit, religiösem Leben, kulturellem Austausch und gesellschaftlicher Wirkung weit über die Region hinaus. Fünf Jahre später feiert der SchUM-Verein gemeinsam mit den SchUM-Städten, zahlreichen Partnern, dem Land Rheinland-Pfalz sowie den Bürgern dieses besondere Jubiläum mit einem abwechslungsreichen Festjahr. Den feierlichen Auftakt bildet der Welterbe-Geburtstag am 26. Juli im Judenhof Speyer.
„Fünf Jahre UNESCO-Welterbe sind für uns vor allem ein Auftrag: Die SchUM-Stätten bewahren nicht nur herausragende Zeugnisse jüdischer Geschichte, sie laden uns auch dazu ein, über das Miteinander in unserer heutigen Gesellschaft nachzudenken. Wenn wir dieses Jubiläum gemeinsam feiern, dann feiern wir ein Welterbe, das Brücken baut – zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Menschen und Kulturen“, so Stefanie Seiler, Oberbürgermeisterin der Stadt Speyer und Vorstandsvorsitzende des SchUM-Vereins.
Im Mittelpunkt der Feierlichkeiten steht die Ringparabel aus „Nathan der Weise“, die von dem Musiker Lömsch Lehmann und den Wortkünstler Hans-Jürgen Herschel in einer besonderen Bearbeitung vorgetragen wird. Das Duo ist in Speyer seit vielen Jahren bekannt und beliebt für seine außergewöhnlichen Performances. Gerade im Kontext des UNESCO-Welterbes SchUM hat dieser Bezug eine besondere inhaltliche Tiefe: Die Ringparabel von Gotthold Ephraim Lessing steht für Toleranz, religiösen Dialog und das friedliche Zusammenleben unterschiedlicher Glaubensrichtungen. Die Figur des Nathan ist eng mit Moses Mendelssohn verbunden und damit mit der jüdischen Aufklärung. „Im historischen Ort Judenhof entsteht daraus eine sehr direkte Verbindung zwischen Inhalt, Ort und dem Gedanken des Welterbes. Für uns ist das ein zentraler inhaltlicher Anker der Veranstaltung“, freut sich Stefanie Seiler.
Das Programm des Welterbe-Geburtstags
In spannenden Führungen können Interessierte den Judenhof und die Geschichte der einstigen jüdischen Gemeinde in Speyer kennenlernen. Im Mittelpunkt des Rundgangs steht die UNESCO-Welterbekomponente Speyer mit der mittelalterlichen Synagoge aus dem Jahr 1104 und die anschließende Frauenschul aus der Mitte des 13. Jahrhunderts – Zentren des jüdischen Gemeindelebens – sowie die um 1120 errichtete Mikwe, die als älteste und am besten erhaltene Monumentalmikwe Europas gilt. Mit dem Kinder-Workshop „Lesen und Schreiben mit Jakub“ lädt der SchUM-Verein Familien und Kinder zu einer magischen Zeitreise in die Vergangenheit ein: Gemeinsam mit dem Waisenjungen Jakub, der im mittelalterlichen Worms von dem berühmten jüdischen Gelehrten MaHaRiL zum Zauberlehrling ausgebildet wird und dafür eine Prüfung bestehen muss, lernen die Teilnehmenden spielerisch das hebräische Alphabet – das Alef-Bet – kennen. An einer Mal- und Bastelstation können Groß und Klein zudem ihre eigenen Initialen in hebräischer Schrift gestalten und die Symbole der SchUM-Stätten kreativ entdecken. „Das Welterbe verbindet uns – über Zeiten, Religionen, Kulturen und Grenzen hinweg. Wir freuen uns gemeinsam mit den Interessierten vor Ort und aus der Region, dem Land Rheinland-Pfalz und unseren Partnern diese internationale Strahlkraft jüdischen Lebens mit dem Welterbe-Geburtstag gebührend zu feiern“ (Birgit Kita, Geschäftsführerin des SchUM-Städte e.V. und Site-Managerin der SchUM-Stätten).
SO 26. Juli | 11 bis 18 Uhr
Judenhof Speyer, Kleine Pfaffengasse 20/21, 67346 Speyer
Die Veranstaltungen anlässlich des fünfjährigen Jubiläums der SchUM-Stätten werden gefördert von der Angelika und Uwe Wöhlert-Stiftung, der BASF SE, dem Bistum Mainz, der Rheinhessen Sparkasse und der Sparkasse der Vorderpfalz.
Das UNESCO-Welterbe SchUM-Stätten Speyer, Worms und Mainz
Damals wie heute blickt die Welt auf SchUM – drei jüdische Gemeinden der Kathedralstädte Speyer, Worms und Mainz, die im Mittelalter diesen einzigartigen Gemeindeverbund bildeten. Der Begriff SchUM setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der hebräischen Städtenamen zusammen: Schpira – Speyer, Warmaisa – Worms, Magenza – Mainz. Die SchUM-Gemeinden prägten Architektur, Kultur, liturgische Dichtung und religiöses Recht des nord-, mittel- und osteuropäischen Judentums (Aschkenas) nachhaltig. Bis heute gelten sie daher als Wiege und geistiges Zentrum des aschkenasischen Judentums und sind weltweit als „Jerusalem am Rhein“ bekannt. Die hier entstandenen vorbildgebenden Synagogen, beeindruckenden und richtungsweisenden Ritualbäder sowie die ältesten erhaltenen jüdischen Friedhöfe Europas sind bis heute eindrucksvolle Zeugnisse der 1.000-jährigen Geschichte jüdischen Lebens am Rhein. Die SchUM-Stätten und ihr Erbe verbinden so die jüdische mit der europäischen und globalen Geschichte. „Die Architektur, Kultur und religiöse Traditionen, die hier entstanden sind, erzählen von einer einzigartigen Geschichte, von dunklen und hellen Zeiten des jüdischen Lebens am Rhein, die bis heute Identität stiftet – in Deutschland und weltweit. An keinem anderen Ort sind die Zeugnisse so eindrucksvoll erhalten wie im Jerusalem am Rhein.“ (Birgit Kita). Am 27. Juli 2021 wurden die SchUM-Stätten Speyer, Worms und Mainz als erstes jüdisches Welterbe Deutschlands unter den Kriterien ii, iii und vi in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.
Weitere Informationen finden Sie auf der Website des SchUM-Vereins unter www.schumstaedte.de und den Social-Media-Kanälen unter @welterbe.schum.