Mit der Ausstellung „Shalom am Rhein. 1000 Jahre Judentum in Rheinland-Pfalz“ hat das Landesmuseum Mainz im Januar einen eindrucksvollen Blick auf die lange und vielfältige Geschichte jüdischen Lebens in der Region. Die Ausstellung macht die jüdische Geschichte, Kultur und Religion ebenso sichtbar wie die Brüche durch Ausgrenzung, Verfolgung und Vernichtung – und die Kraft des Neubeginns.

Seit mehr als einem Jahrtausend ist jüdisches Leben untrennbar mit der Geschichte von Rheinland-Pfalz verbunden. Die Ausstellung erzählt diese Geschichte anhand berührender Objekte, eindrucksvoller Biografien und zentraler Orte jüdischen Erbes. Ausgangspunkt ist das bedeutende Vermächtnis der SchUM-Städte Speyer, Worms und Mainz, deren Anerkennung als UNESCO-Welterbe sich im Jahr 2026 zum fünften Mal jährt. Ihre religiösen, kulturellen und intellektuellen Leistungen haben das europäische Judentum nachhaltig geprägt und sind ein identitätsstiftender Teil der Landesgeschichte.

Auf über 400 Quadratmetern Ausstellungsfläche spannt „Shalom am Rhein“ einen Bogen vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Die Schau verdeutlicht, wie reich, vielfältig und zugleich verletzlich jüdisches Leben über Jahrhunderte hinweg war und ist. Synagogen, Mikwen und Friedhöfe stehen dabei als steinerne Zeugnisse einer lebendigen Tradition, während historische Spuren zugleich die wiederkehrenden Zerstörungen und das Spannungsfeld zwischen Nähe, Teilhabe und Gewalt sichtbar machen.

Ein besonderer Fokus liegt auf dem Landjudentum, das sich ab der frühen Neuzeit infolge von Vertreibungen aus vielen Städten entwickelte. In zahlreichen Dörfern – häufig entlang von Rhein, Mosel, Nahe und Saar – prägten jüdische Familien über Generationen hinweg das regionale Leben, trotz hoher Abgaben, rechtlicher Einschränkungen und Berufsverboten. Die Ausstellung zeigt eindrucksvoll, wie jüdische Gemeinden als Minderheit in der Mehrheitsgesellschaft lebten und dabei eine Balance zwischen Anpassung und der Bewahrung eigener Traditionen fanden.

Besondere Aufmerksamkeit gilt auch der Rolle der Frauen, die in Familie, Religion und Handel früh Verantwortung übernahmen und damit ein bemerkenswertes Maß an Eigenständigkeit zeigten – oft ihrer Zeit voraus.

„Shalom am Rhein“ versteht sich als Ort der Vermittlung, Erinnerung und des Dialogs. Gerade vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Herausforderungen setzt die Ausstellung ein klares Zeichen für die Bedeutung jüdischen Lebens in Vergangenheit und Gegenwart und für ein entschiedenes Eintreten gegen Antisemitismus.

Die Ausstellung ist ab dem 15. Januar 2026 im Landesmuseum Mainz zu sehen und wird über mehrere Jahre fester Bestandteil des Ausstellungsprogramms sein. Begleitet wird sie von einem umfangreichen Programm mit Lesungen, Vorträgen, Workshops für Schulklassen und zahlreichen Führungen.


Weitere Informationen finden Sie auf der Website des Landesmuseums Mainz.