Es ist Dezember 2001: Die UNESCO-Jury in Helsinki urteilt, dass die einst größte Steinkohlenzeche der Welt und die größte Zentralkokerei Europas ein „repräsentatives Beispiel für die Schwerindustrie in Europa“ seien. Und sie beschließt, Zollverein in die Welterbeliste aufzunehmen. Zollverein – ein Erbe der Menschheit, das es zu bewahren gilt. Im Spätsommer 2002 kam die offizielle Ernennungsurkunde in Essen an, die Stadt und das Ruhrgebiet feierten.
Es ist 2026. Der ehemalige Industriekomplex Zollverein zählt seit 25 Jahren zum UNESCO-Welterbe. Ein Jubiläum, das wir feiern – mit Begeisterung und vor allem mit den Menschen: Die einst „verbotene Stadt“ mit ihren hohen Werksmauern hat sich zu einem offenen Ort entwickelt, der von den Besucherinnen und Besuchern aus der Region und darüber hinaus mit Leben gefüllt wird.
Im Jubiläumsjahr wird auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein ein neuer zentraler Treffpunkt eröffnet: das Welterbe Forum. Mehrsprachig, digital und barrierearm empfängt der Neubau ab Juni die Gäste, informiert zum Thema Welterbe und präsentiert die gesamte Angebotsvielfalt zwischen Zeche und Kokerei. Bauherr, Planer, Handwerker und Projektbeteiligte feierten im Januar gemeinsam das Richtfest. Über die kommenden Monate liegt der Fokus auf dem Innenausbau mit der technischen Gebäudeausstattung; es folgen die Installation der Medientechnik sowie der Ausstellungsbau.
Das neue Gebäude wird unter der Schachthalle von Schacht XII gebaut, zurückhaltend eingegliedert in die Architektur, mit großer Glasfassade und einem Kunst-am-Bau-Projekt in Kooperation mit der Folkwang Universität der Künste. „Das Welterbe Forum wird ein zentraler und digital gestützter Anlaufpunkt für unsere Gäste – direkt am Werner-Müller-Platz“, sagt Christoph Tesche, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Zollverein. „Hier heißen wir Besucherinnen und Besucher auf Zollverein willkommen, vermitteln verständlich und mehrsprachig, was UNESCO-Welterbe bedeutet.“
Multimediale Stationen ohne Barrieren
Entworfen wurde das Welterbe Forum von Lindner Lohse Architekten BDA. Der Baubeginn erfolgte am 1. Juli 2025, nachdem das Gelände von der RAG nach Abschluss der Rückbauarbeiten der Schachtverfüllung an die Stiftung Zollverein übergeben worden war. Das Gebäude misst rund 16 × 13 Meter bei einer Höhe von etwa 5,75 Metern und verfügt über eine Hauptnutzfläche von rund 170 Quadratmetern sowie zusätzliche Technikflächen. Herzstück der inhaltlichen Vermittlung wird eine großformatige LED-Medienwand sein (14,5 x 1,2 Meter) flankiert von acht interaktiven Medienstationen mit digitalen Inhalten und realen Exponaten. Die Gäste werden auf der LED-Wand durch einen eindrucksvollen Film begrüßt, der sie in die Geschichte und Transformation des Welterbes einführt.
Besonderes Augenmerk liegt auf der Barrierefreiheit: Das Welterbe Forum ist barrierefrei zugänglich. Die Fassade aus carbonatisiertem Holz nimmt zudem bewusst Bezug auf die historische Bedeutung von Holz im Bergbau und auf den Entstehungsprozess von Kohle. Der Bau des Welterbe Forums folgt überwiegend dem Cradle-to-Cradle-Prinzip (C2C): Materialien werden so eingesetzt, dass sie dauerhaft im Kreislauf bleiben und keinen Abfall erzeugen. Die verbauten Materialien und Bauteile sind so ausgewählt und geplant, dass sie bei einem möglichen späteren Rückbau oder einer Umnutzung in hohem Maße entweder wiederverwendet oder einer fachgerechten Verwertung zugeführt werden können. Die ausgewählten Produkte wie die Fensterelemente sind entsprechend zertifiziert.
Gefördert wird das Welterbe Forum durch die Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, sowie durch das Land Nordrhein-Westfalen, vertreten durch das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung.
Weitere Informationen zum Welterbe-Jubiläum finden Sie hier: https://www.zollverein.de/ueber-zollverein/25-jahre-unesco-welterbe/