UNESCO-Welterbe im Harz setzt auf vielfältige Zugänge: Von barrierearmen Erlebniswegen und digitalen Angeboten über zugängliche Infozentren bis hin zu Führungen in Gebärdensprache

Das UNESCO-Welterbe im Harz lässt sich auf ganz unterschiedlichen Wegen entdecken. Auf mehr als 200 Quadratkilometern erzählen historische Bergwerke, Wasserbauanlagen, Museen und Kulturlandschaften von rund 3.000 Jahren Bergbaugeschichte. Damit möglichst viele Menschen diese Geschichte erleben können, gibt es an verschiedenen Standorten Angebote, die auf unterschiedliche Bedürfnisse zugeschnitten sind – für Menschen im Rollstuhl oder mit Gehbehinderung ebenso wie für blinde und sehbehinderte Menschen, gehörlose Gäste oder Menschen, die Informationen in Leichter Sprache bevorzugen.

Ein besonders anschauliches Beispiel findet sich in St. Andreasberg: Der rund 600 Meter lange Welterbe-Erkenntnisweg „Wasserkraft früher und heute“ führt einmal um den historischen Hilfe-Gottes-Teich und beginnt an der Grube Samson. An fünf Stationen erfahren Besucherinnen und Besucher, welche zentrale Rolle Wasser einst für den Bergbau spielte – etwa beim Fördern von Erz oder beim Pumpen von Grubenwasser. Zugleich schlägt der Weg eine Brücke in die Gegenwart, denn Wasserkraft wird in St. Andreasberg auch heute noch zur Stromerzeugung genutzt. Die Strecke ist gut mit dem Rollstuhl befahrbar, die Informationstafeln sind auf eine sitzende Höhe ausgerichtet. Für blinde und sehbehinderte Menschen gibt es taktile Schrift und tastbare Abbildungen; ein Audioguide in Leichter Sprache ergänzt das Angebot. Auch die Texte auf den Informationstafeln sind in Leichter Sprache verfasst.

Direkt am Weg liegt die über 500 Jahre alte Grube Samson, die ebenfalls barrierearme Möglichkeiten bietet, die Geschichte des Bergbaus zu erleben. Schachtgebäude, Wasserräder, Fahrkunst und Museum sind über Rampen zugänglich. Mobile Rampen und weitere Hilfen ermöglichen auch Rollstuhlfahrenden den Zugang zu verschiedenen Bereichen; ein barrierefreies WC steht zur Verfügung. Für blinde und sehbehinderte Gäste gibt es unter anderem haptische Modelle, Geländer und einen ebenen Stollenboden. Die öffentliche Führung durch die Bergwerksanlagen beginnt im ebenerdig zugänglichen Schachtgebäude und führt unter anderem zur Radstube. Der untertägige Bereich ist über historische Treppen erreichbar und kann bei Bedarf durch einen Museumsbesuch ersetzt werden. So lässt sich bereits vor Beginn der Führung individuell entscheiden, welche Bereiche besucht werden können. In der benachbarten Grube Catharina Neufang wird zudem ein barrierearmer Stollen für Untertagebesuche vorbereitet.

Auch im ZisterzienserMuseum Kloster Walkenried gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, Welterbe und mittelalterliche Klosterkultur zu entdecken. Der Weg vom Parkplatz zum Welterbe-Infozentrum und zum Kloster ist barrierefrei; auch das Welterbe-Infozentrum mit seiner Ausstellung ist vollständig rollstuhlgerecht zugänglich und mit dem Zertifikat „Reisen für Alle“ ausgezeichnet. Der historische Kreuzgang und die angrenzenden Räume sind aufgrund der denkmalgeschützten Bausubstanz als barrierearm einzustufen.

Für blinde und sehbehinderte Menschen bietet das Museum auf Wunsch speziell abgestimmte Führungen an, bei denen die Geschichte des ehemaligen Zisterzienserklosters nicht ausschließlich über das Sehen vermittelt wird. Ein Bronzemodell der Klosteranlage im Außenbereich kann mit dem Rollstuhl unterfahren und ertastet werden. Die Beschriftung ist sowohl in tastbarer Schrift als auch in Brailleschrift ausgeführt. Wer längeres Gehen oder Treppensteigen vermeiden möchte, kann die Führung „Stippvisite im Haus der Mönche“ nutzen. Sie kommt ohne Treppen aus und bietet entlang des Rundgangs ausreichend Sitzmöglichkeiten. Für die individuelle Erkundung stehen außerdem ein Audioguide und eine Museums-App zur Verfügung.

In Goslar zeigt das UNESCO-Welterbe am Rammelsberg ebenfalls, dass historische Orte auf unterschiedliche Weise zugänglich gemacht werden können. Bei der Führung „Mit der Grubenbahn vor Ort – Auf zum Schichtbeginn“ fahren Besucherinnen und Besucher mit einer speziell umgebauten Grubenbahn unter Tage und erleben eine authentische Einfahrt wie die Bergleute in den 1950er- und 1960er-Jahren. Für bis zu zwei Gäste mit Rollstuhl und Begleitung steht ein speziell umgebauter Wagen, das sogenannte „Rolli-Mobil“, zur Verfügung.

Eine weitere Möglichkeit bietet die Führung „Schrägaufzug – Blick auf ein einzigartiges Bergwerk“. Sie vermittelt die Geschichte des Rammelsberger Erzbergbaus und der Arbeit auf der Werkstraße. Höhepunkt ist die Fahrt mit dem historischen Schrägaufzug, der rund 100 Höhenmeter überwindet und dabei einen besonderen Blick auf die historischen Anlagen und die Landschaft eröffnet. Sämtliche Stationen dieser Führung sind mit dem Rollstuhl erreichbar.

Auch für gehörlose und hörgeschädigte Besucherinnen und Besucher gibt es am Rammelsberg spezielle Angebote. Die Führungen „Roeder-Stollen“ und „Mit der Grubenbahn vor Ort“ können für Gruppen auf Anfrage direkt in Gebärdensprache gebucht werden. Dafür stehen speziell geschulte Grubenführer zur Verfügung – eine zusätzliche Übersetzung durch Dolmetscher ist nicht erforderlich.

Wer das Welterbe im Harz unabhängig von einzelnen Standorten erkunden möchte, kann die kostenfreie Welterbe-App nutzen. Sie begleitet Besucherinnen und Besucher zu zahlreichen Sehenswürdigkeiten und bietet Informationen in Form von Audioguides und verständlich aufbereiteten Texten. Gerade für blinde und sehbehinderte Menschen eröffnen die Audioguides einen zusätzlichen Zugang zu den historischen Orten und Landschaften. Darüber hinaus enthält die App barrierearme Wander-, Rad- und Autorouten mit Navigationsfunktion. So lässt sich das Welterbe individuell, im eigenen Tempo und auf unterschiedlichen Wegen entdecken.

Ein wichtiger Anlaufpunkt für die Planung eines Besuchs ist das Welterbe-Infozentrum in Goslar. Es wurde gemeinsam mit der Tourist-Information im Juli 2025 nach den Kriterien der bundesweiten Kennzeichnung „Reisen für Alle“ zertifiziert und darf bis Juni 2028 die Auszeichnung „Barrierefreiheit geprüft“ führen. Das Infozentrum und die Tourist-Information sind ohne Barrieren zugänglich und für Menschen im Rollstuhl sowie mit Gehbehinderung geeignet. Für Menschen mit Sehbehinderung gibt es unter anderem teilweise akustisch vermittelte Informationen, kontrastreiche und gut lesbare Beschriftungen sowie durchgehend vorhandene Geländer. Auch Assistenzhunde sind willkommen.

Barrierefreiheit im Welterbe bedeutet dabei nicht, dass an jedem historischen Ort alle Bereiche uneingeschränkt zugänglich sein können. Gerade die denkmalgeschützten Anlagen des Welterbes bringen besondere bauliche Herausforderungen mit sich. Ziel ist deshalb, unterschiedliche Zugänge zu schaffen, verlässliche Informationen bereitzustellen und individuelle Besuchsmöglichkeiten aufzuzeigen. So können Gäste bereits vor ihrem Besuch einschätzen, welche Angebote für sie geeignet sind – und das UNESCO-Welterbe im Harz auf ihre ganz persönliche Weise erleben.

Weitere Informationen: https://www.welterbeimharz.de/unterwegs-im-welterbe/barrierearme-angebote